www.schriftarchaeologie.ch
Am 3. Januar 1979 schrieb Prof. Dr. Karl Oberhuber, Innsbruck:
«Das Neue an Ihrem Entzifferungsversuch, nämlich das Aufzeigen von Schriftzusammenhängen mit Schriftzeichen der archaischen Texte aus Uruk, hat mich begreiflicherweise besonders überrascht, und Ihre tastenden Lesungen von Eigennamen aus dem mesopotamischen Bereich sind mir, wie Sie verstehen werden, besonders nahegegangen.»
Am 23. Juli 1979 schrieb Prof. Dr. Karl Oberhuber, Innsbruck:
«Ich entnehme daraus mit Interesse, dass Sie nunmehr rund ein Drittel des Zeichenbestandes der Diskos-Inschrift mit Zeichen der archaischen Uruk-Texte identifizieren konnten und für weitere 21 Zeichen wahrscheinliche oder vermutete Zuordnungen vornehmen können. Dies ist immerhin schon ein beachtliches Ergebnis, das allerdings, wie Sie selbst bemerken, uns noch nicht den Schlüssel liefert, sondern bloss Gleichförmigkeiten innerhalb des Zeichenbestandes zeigen kann und für die zugrunde liegende Sprache überhaupt kein Indiz liefert.»
Am 13. Mai 1980 schrieb Prof. Dr. Willhelm von Soden, Münster:
«Dass man auf Kreta ein semitisches Idiom geschrieben habe, ist eine These, die m.E. wenig für sich hat. Aber auch dann, wenn etwas daran sein sollte, hilft Ihr Beitrag nicht weiter. Sie arbeiten mit dem Begriff Sumerisch-akkadisch, obwohl Sumerisch und (das semitische) Akkadisch zwei Sprachen von ganz verschiedener Struktur sind.»
Am 30. Dezember 1998 schrieb Prof. Dr. D. O. Edzart, München:
«Die Luftlinie zwischen Phaistos und Uruk in Südmesopotamien (wenn wir dort die älteste mesopotamische Schriftform ansetzen wollen) beträgt ca. 2250 km. Der zeitliche Abstand beläuft sich auf 15 bis 17 Jahrhunderte (wenn wir den Diskos grob auf -1500 und die älteste Schriftform in Mesopotamien grob auf -3200/3000 datieren). Die mesopotamischen bildnahen Zeichenformen sind innerhalb weniger Schreibgenerationen mehr abstrakten Formen gewichen. Bereits um die Mitte des III. Jahrtausends v. Chr. wäre es einem Schreiber der Ägäis unmöglich gewesen, aus zeitgenössischen Keilschriftzeichen eine sehr bildnahe Schrift zu regenerieren, geschweige denn um -1500.»
Am 21. Januar 1999 schrieb Prof. Dr. Jean-Pierre Olivier, Bruxelles:
«Le syllabaire (simple, de type ouvert) du linèaire A compte moins dune centaine de signes; les syllabaires cunéiformes (complexes, de type fermé) en comptent plusieurs centaines. Dans un premier temps, si lon cherche des resemblances, il ne faut pas, bien entendu, sen tenir à trois signes du linéaire A, mais depasser les 60, voir les 80% pour avoir chance dobtenir quelque audience.»
Am 23. Januar 1999 schrieb Dr. Giulio M. Faccetti, Rivolta d'Adda:
«Non e possibile studiare scientificamente un documento redatto in una scrittura indecifrata prescindendo da una valutazione comparativa interna di tutte le testimonianze di tale scrittura. Nella fattispecie non si può prescindere dai dati certi e incontestabili, che si desumono dall` analisi dei contesti delle centinaia di iscrizioni in lineare A, né può passare inosservata lìndubitabile pentela on la lineare B (che é una scrittura decifrata).»
Am 23. April 1999 schrieb Prof. Dr. Peter Frei, Zürich:
«Die Voraussetzungen für eine Beziehung zwischen dem kretischen Denkmal und den frühen Schriften des Zweistromlandes sind sicher vorhanden. Kulturelle und ökonomische Verbindungen bestanden vermutlich. Ich glaube allerdings nicht, dass die Beschäftigung mit den Phöniziern hier weiter hilft. Herodot 1,1,1 geht von der Verhältnissen und den Vorstellungen des 1. Jahrtausends aus. Phönizier ist die, soweit wir sehen, griechische Bezeichnung der Bewohner der östlichen Mittelmeerküste, gehört also erst in die griechische Zeit.»
Am 7. Mai 1999 schrieb Prof. Dr. Judith Weingarten, Amsterdam:
«I found your draft article - Urbilder der mesop. Keilschrift...- well worth reading and thank you for having sent it to me. How ever, as I am sure you know, a resemblance between a single roundel and cuneiform prouves nothing.»
Am 4. August 1999 schrieb Prof. Dr. W. Rölling, Tübingen:
«Sie vergleichen verschiedene Schriftzeichen und gehen dabei davon aus, dass bei ähnlicher äusserer Form auch ein ähnlicher Bedeutungsansatz möglich ist. Das ist nun, wie die Schriftgeschichte lehrt, keinesfalls der Fall. Zeichenform und Bedeutung können selbst in benachbarten Kulturen durchaus sehr stark voneinander abweichen. Vollends gewagt ist es, von Zeichenformen dann auch auf sprachliche Verwandtschaft zu schliessen.»
Am 15. Februar 2000 schrieb Prof. William C. Brice, Manchester:
«J thank you warmly for your kind letter of the 9th, and your experimental comparison of the Linear A signary with that of the Uruk texts. This ist very enlightening and encouraging. J am convinced that the Cretan writing systems, and much else in the Minoan culture, derived from the Near East, and that a substantial element of the population may originally have derived from there.»
Am 18. Februar 2000 schrieb Prof. Dr. Yves Duhoux, Louvain-la-Neuve:
«Vous apportez, selon toute apparence, un nombre de ressemblances formelles important entre LA et écriture sumérienne. Mais je ne perçois aucune identité ou resemblance phonétique entre les deux, lorsque les signes LA (lus selon le systême LA > LB) sont des syllabogrammes.»
Am 23. Februar 2000 schrieb Dr. Evangelos Kyriakidis, Thessaloniki:
«I had a brief look at it, and I think that overall it is very interesting. I think, however, that there are a few minor points that you would have to look more into. Some of the signs you compare are very strikingly similar. Some others, though, are not...Although you have convinced me that they are possibly comparable, you also have to convince your audience....I really hope that your work will shine, as it is very interesting indeed....»
Am 8. März 2000 schrieb Prof. Dr. Margalit Finkelberg, Tel-Aviv:
«Let me tell you from the beginning that I find your investigation into parallels between early Cuneiform and the Linear A syllabary very interesting indeed and potentially important. This ist not to say that I accept your conclusions as regards the direct borrowing at a very early date. In my opinion, the sole fact of coincidence of even a considerable number of signs cannot yet serve as proof of such a borrowing. Generally speaking, it looks as if a common stock of signs was in circulation all over the region, the Aegean included, so that same signs were being used in various combinations in different scripts. Later, some of these signs even became part of early alphabets of Asia Minor, such as Carian, Lycian, or Lydian. The issue ist by no means regarded as settled, and I said your work can make an important contribution to it.»
Am 21. Mai 2000 schrieb Prof. Dr. D. O. Edzart, München:
«Ihre Vergleichstabellen haben in der Tat etwas sehr Bestechendes. Aber wenn der Assyrologe hier sein Urteil abgeben sollte, so müsste er sich ehrlichkeitshalber wohl zunächst einmal in Linear A einarbeiten. Der Zeitabstand zwischen den Urbildern der mesopotamischen Keilschrift und den Linear A-Texten ist m. E. so gross, dass man sich fragt, ob minoische Schriftschöpfer noch Kenntnis von jenen Urbildern gehabt haben können.»
Am 13. Juli 2000 schrieb Prof. Dr. Günter Neumann, Würzburg:
«Sie zeigen klar, dass mehrere Zeichen von Linear A mit solchen aus den ältesten Stufen der mesopot. Keilschrift homomorph sind. Mindestens manches davon wird freilich Zufall sein, wenn man nur wenige Striche und Punkte verwendet, müssen sich öfters ähnliche figurale Kombinationen einstellen. Was noch zu erörtern wäre, ist meines Erachtens unter anderem:
a) der nicht unerhebliche Abstand in Raum und Zeit zwischen beiden Schriftsystemen,
b) die Tatsache, dass Linear A mit den (älteren) kret. Hieroglyphen zusammenhängt, man also auch deren Formen einbeziehen müsste,
c) Formgleichheit oder -ähnlichkeit bedeutet nicht ohne weiteres, dass zwei Zeichen verschiedener Schriftsysteme auch den gleichen phonetischen oder Bedeutungswert haben müssen. Solche Homophonie müsste vielmehr erst nachgewiesen werden.
d) Wenn die mesopot. Zeichen polyvalent sind, dann ist doch nicht ohne weiteres dasselbe für die kretischen anzunehmen.»
Am 22. August 2000 schrieb Prof. Dr. Wolfgang Fauth, Göttingen:
«1. Die relativ grosse Zahl der demonstrierten Übereinstimmungen mindert den Grad der Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um Zufall handelt, in beachtlicher Weise.
2. Das auf der Liste Berufe im minoischen Kreta praktizierte methodische Verfahren der komparativen Kombination von (zwei) Bildzeichen zu sinnhaltigen Begriffen ist methodisch richtig und wichtig. Nur der Nachweis möglichst vieler solcher parallelen Begriffssynthesen vermag Ihre Theorie zu stützen.»
Am 23. August 2000 schrieb Prof. Dr. Walther Sallaberger, München:
«1) Zwischen Schrift und Sprache ist zu unterscheiden. Also: eine ähnliche Form sagt noch nicht, dass das ähnliche Zeichen auch Ähnliches bedeute. So verwendet z.B. das Türkische die Lateinschrift, während das Osmanische noch arabisch geschrieben wurde, keiner würde deshalb aber eine Sprachverwandtschaft annehmen wollen. Noch deutlicher sind Piktogramme (und um die handelt es sich in der Proto-Keilschrift und Ihrer Vermutung nach in Linear A) im heutigen Alltag: Ein vereinfachtes Abbild eines Flugzeuges auf einer Verkehrstafel weist immer zum Flughafen - ganz unabhängig von der jeweiligen Landessprache.
2) Ähnlichkeiten in der Schrift sind nicht hoch zu bewerten. Das gleiche Schriftmaterial Ton und die Darstellung von einfachen Figuren werden immer zu Ähnlichkeiten in der äusseren Form führen, und das ist in der Tat bei allen frühen Stadien von Schriften der Fall. Aufgrund dieser äusseren Ähnlichkeit der Form wird man aber noch lange keine innere Abhängigkeit der Zeichen annehmen wollen, so lange man keine weiteren Argumente beibringen kann. Selbst bei nachgewiesener historischer Abhängigkeit ist zudem nicht sofort klar, ob nun ein Lautwert oder ein Wortzeichen (also die Bedeutung) übernommen wurde.»
Am 20. Dezember 2011 schrieb Prof. em. Dr. Wolfgang Röllig, Tübingen:
«1. Es ist zwar nicht unüblich, in Arbeiten zur Schriftgeschichte Vergleiche zwischen Schriftsystemen auch nach äußerlichen Gesichtspunkten zu machen, aber es ist leider nicht zielführend. Schon in dem klassischen Werk von I.J. Gelb, A Study of Writing (1952) findet sich eine Tabelle, in der die am häufigsten wiederkehrenden Varianten von einfachen Strichkombinationen aufgeführt sind, die in verschiedenen Schriftsystemen auftauchen, die sowohl regional als auch chronologisch getrennt sind. Das heißt: Der einfache Vergleich von Zeichenformen besagt nichts und kann für eine Entzifferung nicht benutzt werden, da es offenbar einen weit verbreiteten Schatz an einfachen Strichkombinationen gibt, die keiner speziellen Kultur und auch keiner Sprache zugeordnet werden können.
2. Die Zeichen der archaischen Schrift aus Uruk gehören chronologisch ins ausgehende 4. Jahrtausend v. Chr. Soweit mir bekannt, werden die Schriftzeugnisse von Linear A in die Zeit zwischen 1700 und 1500 v, Chr. datiert, sind also rd. 1½ Jahrtausend jünger als die Uruk-Schrift. Wann soll das zueinander gekommen sein?
3. Schließlich lieget Uruk im südlichen Iraq, wenn auch relativ nahe am Persischen Golf, zu dem es sicher Beziehungen hatte. Es gibt aber keinerlei Anzeichen dafür, dass die frühe Uruk-Kultur (Uruk IV) Kontakte zum Mittelmeerraum hatte oder auch dorthin kulturelle ausstrahlte.»
Am 23. Dezember 2011 schrieb Prof. Dr. Bruno Denzler, Zürich:
«Dass es dabei auch viel Skepsis gibt, ist normal bei neuen wissenschaftlichen Hypothesen - vor allem wenn diese von Leuten ausserhalb der "Zunft" stammen, was schon per se Abwehrreflexe erzeugt Es wäre aber nicht das erste Mal, dass sich Erkenntnisse von "Aussenseitern", die eben frei sind von den Scheuklappen, die es im wissenschaftlichen Mainstream zu Häuf gibt, mit der Zeit durchsetzen.»
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Hans A. Glarner
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